Entscheidung im Ortsrat: Blumenwall bleibt für immer gesperrt

Das Sturmtief Sabine hat im Februar allerorts für Verwüstungen gesorgt. Umgefallene Gartenstühle, weggewehte McDonalds-Papiertüten und herumwirbelnde Blätter haben ein Chaos in Rinteln angerichtet.

Folgerichtig ist deswegen auch der Blumenwall vor ein paar Tagen komplett gesperrt worden. Sämtliche Zugänge wurden von Mitarbeitern des Bauhofs unter Einsatz ihres Lebens mit Stahlgittern versperrt. Das Betreten des Gefahrenbrennpunkts ist streng verboten.

Du kommst hier net rein. Alle Zugänge zum Blumenwall sind gesperrt. Photo: Phrasenmaeher.

Der Phrasenmäher hat Gerd P. getroffen, die mit seinem Hund im Blumenwall unterwegs war und gerade noch, kurz bevor die letzte Absperrung aufgestellt wurde, aus dem Stadtpark fliehen konnte. „Es war die Hölle. Dieser Sturm wollte und wollte nicht aufhören. Überall Blattwerk, kleine Äste knackten bei jedem zehnten Schritt unter meinen Schuhen. Es war schrecklich.“

Die Sperrung des Blumenwalls stößt jedoch nicht überall auf Verständnis. Viele Pendler, die in Rinteln arbeiten, parken am Steinanger und nutzen einen etwa 50 Meter langen Weg durch den Park, um in die Innenstadt zu gelangen. Frank G. ist einer von ihnen und er meint: „Ich verstehe, dass die Fußgänger geschützt werden müssen, aber mal ganz ehrlich: Die Bäume entlang der Passage in die Innenstadt wurden erst vor kurzem zurückgeschnitten, so dass im Grunde fast keine Äste über dem Gehweg hängen. Davon abgesehen: Seit Tagen ist gar kein Sturm mehr. Typisch Deutschland. Immer den Arsch schön an der Wand.“

Das sieht der Ortsrat anders. Uns liegen Informationen vor, dass in einer kurzfristig einberufenen Tornado-Sondersitzung des Rates sogar darüber diskutiert wurde, den Katastrophenfall auszurufen und die Schulen für mehrere Wochen zu schließen. „Ein sicherer Schulweg kann bei den Windverhältnissen nicht mehr sichergestellt werden“, vertraute uns ein Ratsmitglied an. Die Entscheidung darüber wurde jedoch zunächst zurückgestellt, um die weitere Entwicklung der Sturmfront abzuwarten.

Entschieden wurde jedoch, dass zur Gefahrenabwehr der Blumenwall für immer gesperrt wird. „Es ist einfach zu gefährlich“, teilt uns die Stadtverwaltung im Gespräch mit. Dem Hinweis, dass der Sturm sich doch längst gelegt habe, entgegnete ein Mitarbeiter: „Das sagen Sie. Teilweise hatten wir auch in den letzten Tagen Windgeschwindigkeiten von 20 km/h und mehr gemessen. So richtig windstill ist es ja eigentlich nie. Da kann immer was passieren.“ Außerdem kündigte die Stadt Rinteln an, 20 neue Mitarbeiter einstellen zu wollen, die die Zugänge zum Stadtpark kontrollieren sollen.
Pläne, wie die dann ungenutzte Fläche des Blumenwalls zukünftig genutzt werden soll, gibt es auch schon. Auf dem Areal sollen Häuser für altersgerechtes Wohnen, Senioren-WG’s, betreutes Wohnen, Wohnen zu Hause mit teilstationärer Pflege, Wohnen zu Hause mit Nachtwache, Seniorenresidenzen und ein Seniorenheim entstehen.

In den Erdgeschossen sollen jeweils Gewerbeeinheiten untergebracht werden, wobei vorrangig Apotheken, Frisöre und Barbershops sowie Optiker gewonnen werden sollen. „Davon gibt es einfach zu wenige in der Innenstadt“, wie aus dem Rathaus zu hören ist. Und weiter: „Und da dann ja wahrscheinlich die Pendler nicht mehr auf dem Steinanger parken werden, können wir uns ja auch schon mal Gedanken über die Bebauung des Parkplatzes machen. Vielleicht irgendwelche Angebote für ältere Menschen. Eine Rollator-Rennstrecke, Wassertreten, die eine oder andere Apotheke vielleicht. Oder einen Friseur. Wir werden sehen. Uns gehen die kreativen Ideen ja nie aus.“ Das kann man glatt als Drohung verstehen.

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